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Ich lasse sie, wie sie sind

Michael Saunders

Im Interview

Michael Saunders (51), Journalist und TV-Moderator, besitzt eine der größten Sammlungen von Lufthansa-Flugzeugmodellen weltweit.

Herr Saunders, was fasziniert Sie an den Fliegern im Miniaturformat?

Ich bin Mitte der 1970er Jahre in der Nähe des Frankfurter Flughafens aufgewachsen, sah dort immer die Jets am Himmel und habe mich deshalb früh für die Luftfahrt interessiert – auch für die schönen Modelle, die in Reisebüros und Schalterhallen standen. Damals hätte ich es allerdings nie für möglich gehalten, dass es einmal die Gelegenheit geben würde, eines dieser speziell angefertigten Stücke erwerben zu können.

Was hat Ihre Sammelleidenschaft entfacht?

Vor rund 15 Jahren fiel mir bei einer Internet-Auktion ein altes Modell einer Boeing 727 auf. Das erweckte den Wunsch, eine solche Nachbildung zu besitzen. Die 727 konnte ich recht günstig erwerben – und so stand plötzlich ein schweres, 40 cm langes Aluminiumguss-Modell aus den 1960er Jahren bei mir zuhause. Danach ging es richtig los: Einige Jahre lang habe ich sehr viel ersteigert und gekauft. Doch diese Sturm- und Drangzeit ist vorüber, zumal ich mein Sammelgebiet begrenzt habe. Ich beschränke mich auf Flieger, die von Lufthansa zwischen 1955 und 1985 bei verschiedenen Modellbauern in Auftrag gegeben wurden.

Wo und wie treiben Sie die Modelle außer im Internet auf?

Oft kontaktieren mich Menschen, die auf Großmutters Dachboden so ein altes Reisebüro-Modell finden. Wie es dorthin kam, bleibt meist im Dunkeln. Aber warum es ausrangiert wurde, ist klar. Ein Beispiel: In den frühen 1960er Jahren wurden Standmodelle der legendären Super Constellation weggeworfen, als diese Maschinen auf der Transatlantik-Route von den ersten Jets abgelöst wurden. Eben bis auf die wenigen Exemplare, die durch Zufälle oder von ein paar Modell-Liebhabern in die Gegenwart hinübergerettet wurden.

Restaurieren Sie Ihre Fundstücke?

Nein, ich lasse sie, wie sie sind, mit kleinen Kratzern oder Fehlern. Es gibt Sammler, die ihre Modelle praktisch wieder in den Originalzustand versetzen. Aber wenn sie ihre Patina verlieren, verlieren sie auch ihre Geschichte.

Auch Miniaturflugzeuge brauchen Platz. Stoßen Sie an Grenzen?

Oh ja, sowohl bei der Möglichkeit, die Modelle auszustellen, als auch bei ihrer Lagerung. Ich habe meiner Sammlung einen Raum gewidmet, in dem ich zum Beispiel ein 2,20 Meter langes Schnittmodell einer DC 10 aufhängen konnte. Kleinere Maßstäbe haben ihren Platz in Glasvitrinen gefunden. Viele Stücke muss ich aber gut verpackt in Regalen aufbewahren. Mir ist es bereits passiert, dass ich ein Modell ein zweites Mal gekauft habe, weil ich es in einem noch besseren Zustand fand – und dann das erste, das ich wieder loswerden wollte, einfach nicht wiederfinden konnte. Aber eine Inventur muss warten, bis mal richtig Zeit ist ...

Fühlen Sie sich als Bewahrer einer bestimmten Epoche des Reisens?

Nein, ich sammle nur für mich selbst – zum einen, weil ich die klassischen Jets wunderschön finde, aber auch, weil in diesen Modellen etwas von dem bewahrt ist, was mich schon in jungen Jahren interessiert und sehr geprägt hat.

Wie viel Aufwand betreiben Sie, wenn Sie ein Modell unbedingt haben wollen?

Wenn es ein besonderes Stück ist, das einem in seinem Sammlerleben vermutlich kein zweites Mal angeboten wird, nehme ich dafür auch mal recht hohe Kosten und weite Wege in Kauf. Oder ich beauftrage einen Spediteur – wie bei einem Modell, das ich auf einem ostfriesischen Regionalflughafen in einem Nebenraum der dortigen Flughafenkneipe fand. Der Transport ist immer etwas heikel, denn eine Boeing 747 im Maßstab 1:50 hat beispielsweise eine Länge von 1,40 Meter und eine Spannweite von 1,20 Meter.

Aber die Modelle selbst machen kaum Arbeit, oder?

Stimmt, man muss sie nur von Zeit zu Zeit abstauben – das war’s. Wichtig ist mir ein unrestaurierter Originalzustand. Zwar haben Modelle aus den 1950er oder 1960er Jahren oftmals kleine Kratzer oder Fehler – das stört mich aber nicht. Es gibt Sammler, die ihre Modelle komplett abschleifen und neu lackieren. Aber damit verlieren diese Stücke aus meiner Sicht ihre Geschichte. Ich erfreue mich lieber daran, ein originales Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit zu besitzen. Oft machen kleine Macken gerade den ganzen Charme eines betagten Flugzeugmodells aus.

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