47° 04' 27.6" N 12° 41' 40.6" E

Um sieben geht es los. Die Passagiere fahren zum kleinen Flugplatz in Zell am See, sie tragen Thermohosen, dicke Stiefel, warme Mützen. Draußen schälen sich die Berge aus der Nacht, die verschneiten Gipfel am Rossbrand, die Flanken der Schwaigalm. Die Luft ist schneidend kalt. In der österreichischen Winterwelt bei Kaprun herrschen an diesem Morgen minus zwölf Grad.
Die angereisten Damen und Herren haben heute Besonderes vor. Sie wollen einmal quer über die Alpen schweben. Vom Salzburger Land nach Süden, über den Großglockner und die Dolomiten hinweg, bis hinter den alpinen Zauberwelten des winterlichen Europas die norditalienische Tiefebene auftaucht und auf der anderen Seite der Berge irgendwo ein geeigneter Acker zum Landen.

Das Reisevehikel: ein gigantischer Ballon, getragen von nichts als heißer Luft, getrieben allein vom Wind. Das älteste Luftfahrzeug der Menschheitsgeschichte.
Die Gäste können sich ungefähr ausmalen, was auf sie zukommt. Es gab ein kurzes Briefing, zudem existieren heute zahllose Fotos und Berichte. Und doch hat niemand eine Vorstellung davon, wie es sich tatsächlich anfühlen wird, mit einem Heißluftballon durch den Himmel zu reisen. In einem Bastkorb stehend, Sauerstoff atmend, unter den Füßen klirrend kalte Luft und Tausende Meter Abgrund.
Die Gäste können sich ungefähr ausmalen, was auf sie zukommt. Es gab ein kurzes Briefing, zudem existieren heute zahllose Fotos und Berichte. Und doch hat niemand eine Vorstellung davon, wie es sich tatsächlich anfühlen wird, mit einem Heißluftballon durch den Himmel zu reisen. In einem Bastkorb stehend, Sauerstoff atmend, unter den Füßen klirrend kalte Luft und Tausende Meter Abgrund.

Am Flugplatz werden die Gondeln entladen und die Ballone über einen mit Propangas befeuerten Brenner mit heißer Luft gefüllt. Wie zyklopische Airbags stehen die bunten Hüllen bald über dem Vorfeld. Neben Packsäcken, Ventilatoren und langen Leinen läuft Peter Flaggl und bereitet den Start vor. Der erfahrene Pilot hat schon 7.000 Fahrten in Ballonen hinter sich. Er trägt Lederstiefel, einen blauen Anorak und sagt: „Unser Ballon fasst 9.200 Kubikmeter Luft, das entspricht 9,2 Millionen Litern Bier.“
Flaggl ist der Sohn eines gestandenen Ballonfahrers. Ein Altmeister der Lüfte, der bereits mit fünf Jahren das erste Mal in einen Rattankorb stieg und lautlos abhob. Er kennt den Reiz dieser Art der Fliegerei. Besonders in den Alpen.
Niemand weiß genau, wie lange die Fahrt dauern wird. Haben die Ballone erst einmal den Boden verlassen, lassen sich die Fahrzeuge nicht mehr steuern. Mit der Luftströmung ziehen sie dahin, werden eins mit den Winden. Lediglich die Steig- und Sinkrate lässt sich noch manipulieren, wenn das Vehikel gen Himmel fährt und einsam seines Weges zieht. Entscheidend ist der Wind. In über 5.000 Metern Höhe treibt der Ballon völlig losgelöst über die Erde. Die Reise mit dem ältesten Fluggerät der Menschen ist nichts anderes als eine Drift mit den Launen der Atmosphäre.
Flaggl ist der Sohn eines gestandenen Ballonfahrers. Ein Altmeister der Lüfte, der bereits mit fünf Jahren das erste Mal in einen Rattankorb stieg und lautlos abhob. Er kennt den Reiz dieser Art der Fliegerei. Besonders in den Alpen.
Niemand weiß genau, wie lange die Fahrt dauern wird. Haben die Ballone erst einmal den Boden verlassen, lassen sich die Fahrzeuge nicht mehr steuern. Mit der Luftströmung ziehen sie dahin, werden eins mit den Winden. Lediglich die Steig- und Sinkrate lässt sich noch manipulieren, wenn das Vehikel gen Himmel fährt und einsam seines Weges zieht. Entscheidend ist der Wind. In über 5.000 Metern Höhe treibt der Ballon völlig losgelöst über die Erde. Die Reise mit dem ältesten Fluggerät der Menschen ist nichts anderes als eine Drift mit den Launen der Atmosphäre.

Dabei ist das Prinzip des statischen Auftriebs denkbar einfach. Heiße Luft besitzt mehr kinetische Energie und somit eine geringere Dichte als kalte Luft. Sie ist leichter, will nach oben steigen. Ist dieser Auftrieb am Ende größer als das Gewicht des Gefährts samt seiner Insassen, geschieht das Wunder: Der Ballon hebt ab.
Um halb neun klettern die Passagiere in die Gondel. Wir sind zu acht, stehen in kleinen Abteilen, rundherum ist alles offen. Über unseren Köpfen der Ballon: ein riesenhafter Dom aus Luft. Flaggl steht links im Korb, betätigt über einen Hebel den Brenner. Eine Säule heißer Luft zischt nach oben, erwärmt das Innere der Hülle auf 80 bis 120 Grad.
Auf dem Vorfeld löst ein Mann vom Bodenteam die letzte Leine. Die Gondel beginnt sich zu bewegen, schiebt noch ein bisschen Schnee vor sich her. Dann heben wir ab, schweben lautlos nach oben. Der Flugplatz bleibt zurück. Der Ort Zell am See wird kleiner, die Häuser, die Kirche, die Straßen. Alles verliert an Maßstab.
Um halb neun klettern die Passagiere in die Gondel. Wir sind zu acht, stehen in kleinen Abteilen, rundherum ist alles offen. Über unseren Köpfen der Ballon: ein riesenhafter Dom aus Luft. Flaggl steht links im Korb, betätigt über einen Hebel den Brenner. Eine Säule heißer Luft zischt nach oben, erwärmt das Innere der Hülle auf 80 bis 120 Grad.
Auf dem Vorfeld löst ein Mann vom Bodenteam die letzte Leine. Die Gondel beginnt sich zu bewegen, schiebt noch ein bisschen Schnee vor sich her. Dann heben wir ab, schweben lautlos nach oben. Der Flugplatz bleibt zurück. Der Ort Zell am See wird kleiner, die Häuser, die Kirche, die Straßen. Alles verliert an Maßstab.

Der Ballon ist das älteste Luftfahrzeug der
Menschheitsgeschichte – getragen von nichts als heißer Luft, getrieben allein vom Wind.

Der Ballon durchmisst ein, zwei Dunstschichten, zieht schwerelos in den stahlblauen Himmel. Wir machen einen Schlenker nach Osten. Gleich werden uns die Höhenwinde erfassen und mit Macht nach Süden drücken.
Wir steigen. Die Details auf der Erde schwinden zusehends, derweil die Berge an Dimension gewinnen. Immer mehr Grate und Gipfel schieben sich ins Bild, unten das Salzburger Land. Eine weiße, stille Welt. Pilot Flaggl fragt, ob es allen gut geht. Stummes Nicken von den Passagieren. Nur gut, dass alle dick eingepackt sind. Denn während Sonne und Gasbrenner Gesicht und Oberkörper wärmen, herrschen unten an den Füßen frostige Temperaturen – bis zu minus 30 Grad. Wir stehen quasi aufrecht in einer Gefriertruhe.
Wir steigen. Die Details auf der Erde schwinden zusehends, derweil die Berge an Dimension gewinnen. Immer mehr Grate und Gipfel schieben sich ins Bild, unten das Salzburger Land. Eine weiße, stille Welt. Pilot Flaggl fragt, ob es allen gut geht. Stummes Nicken von den Passagieren. Nur gut, dass alle dick eingepackt sind. Denn während Sonne und Gasbrenner Gesicht und Oberkörper wärmen, herrschen unten an den Füßen frostige Temperaturen – bis zu minus 30 Grad. Wir stehen quasi aufrecht in einer Gefriertruhe.

Flaggl sagt: „2.000 Meter, weiter steigend.“ Die Berge werden größer, werden riesig. Erste Seitentäler öffnen sich, Skipisten von oben. Halb Österreich ist inzwischen zu sehen, überschüttet von gleißend hellem Licht. Niemand spricht ein Wort. Zu groß, zu verrückt der Moment. Wir stehen im Himmel. Ohne Schutz, ohne Kabine. 3.000 Meter. Die Welt weit. Die ganzen Alpen. Um uns herum unendlicher Raum. Eine weiße Halluzination. Was soll man sagen? Da ist gerade nur atemloses Staunen.
Dies ist die abgehobenste Aussichtsplattform der Welt.
Du spazierst durch den Himmel, schwebst über alle Berge und könntest dabei gemütlich Zeitung lesen.

Tief unten zieht die Grenze zwischen Österreich und Italien vorbei. Gletscher sind zu erkennen, Zinnen und Kamine, die gestochen scharf in der Sonne liegen. Flaggl blickt auf seine Instrumente und sagt: „Noch gut eine Stunde, dann kommt hinter den Südausläufern die norditalienische Ebene in Sicht.“

Wir gleiten weiter gen Süden, grenzenlos, schwerelos. Flaggl schaut auf den Höhenmesser und verkündet: „5.521 Meter.“ Eine überaus ansehnliche Flughöhe – im Wortsinn. Im Süden ist erstmals das Mittelmeer zu sehen, derweil wir gerade die Ausläufer der Dolomiten passieren, Cortina d’Ampezzo im Westen, im Osten der Monte Zoncolan und das Spielzeugörtchen Tolmezzo. Im Süden: Triest, rechts unten die Lagunen und Buchten Venedigs.
Es ist, als glitten wir über eine Landkarte. Über die Schraffuren eines überdimensionierten Weltatlas. Dahinter beginnt eine endlose Fläche, die sich wie Silberpapier ausbreitet. Die Adria, das Mittelmeer. Es bleibt nur ein Wort: gewaltig.
Fast vier Stunden sind wir in der Luft, die Füße Eiszapfen, als nun der Sinkflug ansteht. Flaggl zieht eine Leine, öffnet den Parachute, eine Klappe oben in der Ballonhülle, aus der die heiße Luft entweicht. Wir sinken, behutsam wie in einem Fahrstuhl.
Es ist, als glitten wir über eine Landkarte. Über die Schraffuren eines überdimensionierten Weltatlas. Dahinter beginnt eine endlose Fläche, die sich wie Silberpapier ausbreitet. Die Adria, das Mittelmeer. Es bleibt nur ein Wort: gewaltig.
Fast vier Stunden sind wir in der Luft, die Füße Eiszapfen, als nun der Sinkflug ansteht. Flaggl zieht eine Leine, öffnet den Parachute, eine Klappe oben in der Ballonhülle, aus der die heiße Luft entweicht. Wir sinken, behutsam wie in einem Fahrstuhl.
Die italienische Ebene zeichnet sich ab. Eine braune Platte, dekoriert mit immer mehr Details. Flaggl von links: „2.000 Meter, weiter sinkend.“ Es folgt der heikelste Teil der Reise. Die Erde kommt näher. Unten sind wieder Autos zu erkennen, Lastwagen, Straßen. Und auch das: Überall stehen Telefonmasten und Stromleitungen in der Gegend herum – die wir dringend meiden müssen!
Das Landemanöver erfordert viel Gefühl. Als müsse man mit einem im Wind tanzenden Luftballon eine Punktlandung hinbekommen. Flaggl: „Man braucht ein Händchen dafür. Manche Piloten lernen es schnell, andere nie.“ Der Ballon-Veteran bleibt seelenruhig. Er hat das schon 7.000-mal gemacht.
Das Landemanöver erfordert viel Gefühl. Als müsse man mit einem im Wind tanzenden Luftballon eine Punktlandung hinbekommen. Flaggl: „Man braucht ein Händchen dafür. Manche Piloten lernen es schnell, andere nie.“ Der Ballon-Veteran bleibt seelenruhig. Er hat das schon 7.000-mal gemacht.
Die Landung erfordert viel Gefühl. Als müsse man mit einem im Wind tanzenden Luftballon eine Punktlandung hinbekommen.

Unter uns zieht ein Bach vorbei, ein Bauernhof. Etwas weiter links taucht ein Kuhstall auf mit zwei geparkten Mähdreschern. Wir driften seitlich über das alles hinweg, schweben über Schienen und Felder. „Da gehen wir runter“, entscheidet Flaggl und zeigt auf eine freie Fläche. Der Ballon folgt seinem eigenen Schatten. Wir fahren über eine letzte Böschung, gleiten über einen letzten Zaun.
Ein brauner Acker kommt näher. Die Kufen setzen auf. Dann herrscht Stille. Ein warmer Wind geht. Wir sind in Italien – gelandet in einem Weizenfeld in der Nähe der kleinen Stadt Pordenone.
Schweigend krabbeln die Passagiere aus dem Korb und trauen ihren Augen nicht. Über das Feld stürmt ein Bauer und trägt zwei Flaschen Rotwein in Händen. Die Luft ist warm. Vögel zwitschern. Und dann wird erst mal ordentlich eingeschenkt. Ein ungeplanter Willkommenstrunk – mitten auf einem Acker, mitten in Italien. Nun, so ein wunderschöner großer Luftballon landet schließlich nicht alle Tage vor deiner Nase.
Schweigend krabbeln die Passagiere aus dem Korb und trauen ihren Augen nicht. Über das Feld stürmt ein Bauer und trägt zwei Flaschen Rotwein in Händen. Die Luft ist warm. Vögel zwitschern. Und dann wird erst mal ordentlich eingeschenkt. Ein ungeplanter Willkommenstrunk – mitten auf einem Acker, mitten in Italien. Nun, so ein wunderschöner großer Luftballon landet schließlich nicht alle Tage vor deiner Nase.








