33° 16' 38.7" N 131° 30' 21.6" E
Mao Ono und Miya Tsuki stehen im Supermarkt und kaufen kalte Getränke. Sie sind barfuß, tragen Badelatschen und Kimonos und schnappen sich schnell noch zwei Packungen Badesalz, bevor sie zahlen.
Im südjapanischen Beppu gehört das zum Alltag: Menschen in Bademänteln. Behangen mit Handtüchern sitzen sie in den Hotellobbys, kommen mit Tüten voller Blütenessenz aus den Läden. Was andernorts Luxus ist, gehört hier zum Programm. Beppu ist die Badehauptstadt Japans. Die Devise: Nach dem Dampfbad ist vor dem Dampfbad!
Wer einen Blick auf die Altstadt von Kannawa wirft, erblickt das Wunder. Überall dampft und sprudelt es, überall steigt weißer Schwaden aus den Straßen. Beppu mutet an wie ein großer, brodelnder Kochtopf.
Im südjapanischen Beppu gehört das zum Alltag: Menschen in Bademänteln. Behangen mit Handtüchern sitzen sie in den Hotellobbys, kommen mit Tüten voller Blütenessenz aus den Läden. Was andernorts Luxus ist, gehört hier zum Programm. Beppu ist die Badehauptstadt Japans. Die Devise: Nach dem Dampfbad ist vor dem Dampfbad!
Wer einen Blick auf die Altstadt von Kannawa wirft, erblickt das Wunder. Überall dampft und sprudelt es, überall steigt weißer Schwaden aus den Straßen. Beppu mutet an wie ein großer, brodelnder Kochtopf.


Japan, das Land der aufgehenden Sonne, kann mit vielen Sehenswürdigkeiten aufwarten. Das gigantische Tokio. Mount Fuji und die berühmten Kirschblütenfeste. Das kleine Beppu jedoch, gelegen in der Provinz Ōita, hält einen anderen Rekord. Es ist der heißeste Badeort Nippons, die fulminanteste Dampfoase Asiens.
Kochende Schlammlöcher gibt es hier, blaue Seen und blubbernde Teiche, aus denen heiße Vulkangase aufsteigen. Das Schönste jedoch: Baden kann man hier, ganz vorzüglich baden!
Mao Ono und Miya Tsuki sind darum bald wieder von der Bildfläche verschwunden – in einem der fast 200 Bäder der Stadt. Hinter Bambushainen und plätschernden Brunnen, hinter sandelhölzernen Pforten und papiernen Paravents, hinter denen nichts als pure Wonne wartet: Warmes Wasser aus dem Bauch der Erde.
Kochende Schlammlöcher gibt es hier, blaue Seen und blubbernde Teiche, aus denen heiße Vulkangase aufsteigen. Das Schönste jedoch: Baden kann man hier, ganz vorzüglich baden!
Mao Ono und Miya Tsuki sind darum bald wieder von der Bildfläche verschwunden – in einem der fast 200 Bäder der Stadt. Hinter Bambushainen und plätschernden Brunnen, hinter sandelhölzernen Pforten und papiernen Paravents, hinter denen nichts als pure Wonne wartet: Warmes Wasser aus dem Bauch der Erde.

Beppu ist ein geothermischer Hotspot, gespickt mit vulkanischen Düsen, die ihren Odem frei in den Himmel blasen.
Wer ein wenig durch die Gassen spaziert, merkt bald: Hier zischt es tatsächlich aus allen Ecken und Enden. Der heiße Dampf steigt aus dem Boden, dem Straßenpflaster. Windet sich aus Kesseln, die hinter den Häusern stehen, wabert aus Rohren, die sich aus den Dächern biegen. Die Menschen von Beppu lassen keine Gelegenheit aus, den heißen Atem ihrer Stadt zu nutzen. Denn das Innere der Erde schickt hier unten auf der japanischen Insel Kyūshū einen raren Segen: Wärme – in Form siedend heißen Wassers.
Kaum tritt man auf die Straße, wallt einem der warme Hauch aus dem Erdinneren entgegen. Fensterscheiben beschlagen, Laternenpfähle triefen. Auf den Straßen sind sogar Warnhinweise angebracht. „Achtung, heiße Dämpfe!“ Legt man die Hand auf den Gehweg, glaubt man es kaum – die Steine sind so warm wie eine Fußbodenheizung!
Kaum tritt man auf die Straße, wallt einem der warme Hauch aus dem Erdinneren entgegen. Fensterscheiben beschlagen, Laternenpfähle triefen. Auf den Straßen sind sogar Warnhinweise angebracht. „Achtung, heiße Dämpfe!“ Legt man die Hand auf den Gehweg, glaubt man es kaum – die Steine sind so warm wie eine Fußbodenheizung!



Unter der Stadt verbergen sich an die 3000 heiße Quellen. Tagein, tagaus gibt das unterirdische Thermalsystem von Beppu so große Mengen an heißem Dampf ab wie der gesamte Yellowstone-Nationalpark in den USA. Zehn Prozent aller japanischen Quellen hat die Natur ausgerechnet hier konzentriert.
Die Erde hat sich hier sozusagen eine subterrane Heizungsanlage ausgedacht, die jede Minute über 100.000 Liter warmes Wasser nach oben pustet. Beppu ist ein geothermischer Hotspot, gespickt mit vulkanischen Düsen, die ihren Odem in den Himmel blasen. Die Dämpfe sind angereichert mit Mineralien, mit Natrium, Kalzium, Magnesiumchlorid und Hydrogencarbonat. Der Effekt steigt einem prompt in die Nase. Die halbe Stadt riecht nach Schwefel und faulen Eiern.
Der Gesundheit bekommt das umso besser. Das Hydrogencarbonat wirkt wie ein natürlicher Säurefänger, weshalb die Beppuaner den Dampf sogar inhalieren. Zudem soll er Hautkrankheiten heilen, Verdauungsstörungen lindern, Muskelschmerzen mildern. Vor allem aber wirkt ein Bad im warmen Hauch der Erde überaus wohltuend. Die Einwohner schwören darauf. Jeder, den man hier fragt, sprudelt vor Begeisterung über. Und schwört: „Beppu ist Balsam für die Seele, Medizin für den Körper.“
Die Erde hat sich hier sozusagen eine subterrane Heizungsanlage ausgedacht, die jede Minute über 100.000 Liter warmes Wasser nach oben pustet. Beppu ist ein geothermischer Hotspot, gespickt mit vulkanischen Düsen, die ihren Odem in den Himmel blasen. Die Dämpfe sind angereichert mit Mineralien, mit Natrium, Kalzium, Magnesiumchlorid und Hydrogencarbonat. Der Effekt steigt einem prompt in die Nase. Die halbe Stadt riecht nach Schwefel und faulen Eiern.
Der Gesundheit bekommt das umso besser. Das Hydrogencarbonat wirkt wie ein natürlicher Säurefänger, weshalb die Beppuaner den Dampf sogar inhalieren. Zudem soll er Hautkrankheiten heilen, Verdauungsstörungen lindern, Muskelschmerzen mildern. Vor allem aber wirkt ein Bad im warmen Hauch der Erde überaus wohltuend. Die Einwohner schwören darauf. Jeder, den man hier fragt, sprudelt vor Begeisterung über. Und schwört: „Beppu ist Balsam für die Seele, Medizin für den Körper.“
Das Innere der Erde schickt einen raren Segen: Wärme in Form siedend heißen Wassers.


Onsen nennen sich die Thermen, Bäder und Wellness-Tempel der Stadt. Öffentliche Anlagen gibt es, gratis und für jedermann zugänglich. Darüber hinaus führen Hotels und Pensionen ihre eigenen Onsen. Die Gäste können private Kabinen buchen, unter Thermalbädern jeder Größe und Kategorie wählen, um Haupt und Geist für einige Stunden zu entspannen. Bestückt mit Kimonos und Pantinen schreiten sie in die heiligen Gemäuer, hinter deren Pforten blaue Pools leuchten, Wasserfälle perlen – und es aus vollen Rohren dampft.
Mao und Miya sitzen gerade in einem blauen Steinbad, in dem das Wasser fast 40 Grad heiß ist. „Wärmer als jede Badewanne“, sagt Miya und mahnt, dass es Zeit wird, dem Quell bald zu entsteigen. „Mir wird langsam schwindelig.“ Im Raum nebenan stehen Brausen und Fußbäder parat, japanische Schemel und Bottiche für allerlei Kräutertinkturen.
Das Beppu Ogura ist eines der feineren Spas der Stadt. Sieben private Bäder schmiegen sich an einen Hang, umrahmt von Ruheräumen, Umkleiden und minimalistisch eingerichteten Hotelzimmern, von deren polierten Teaktischen der Blick über Beppu fällt.
Mao und Miya sitzen gerade in einem blauen Steinbad, in dem das Wasser fast 40 Grad heiß ist. „Wärmer als jede Badewanne“, sagt Miya und mahnt, dass es Zeit wird, dem Quell bald zu entsteigen. „Mir wird langsam schwindelig.“ Im Raum nebenan stehen Brausen und Fußbäder parat, japanische Schemel und Bottiche für allerlei Kräutertinkturen.
Das Beppu Ogura ist eines der feineren Spas der Stadt. Sieben private Bäder schmiegen sich an einen Hang, umrahmt von Ruheräumen, Umkleiden und minimalistisch eingerichteten Hotelzimmern, von deren polierten Teaktischen der Blick über Beppu fällt.
Wellness auf Japanisch: Blaue Pools leuchten, Wasserfälle perlen – und überall dampft es.
Später am Tag ziehen die Freundinnen durch die Altstadt. Baden macht hungrig. Keine halbe Stunde später stehen sie vor einem Stand, an dem es dampft wie aus einem Hexenkessel. In Körben liegen Maiskolben, Eier, Gurken, Kartoffeln, Karotten, Shrimps und rohes Schweinefleisch. Köstlichkeiten, die in einem Naturofen gegart werden – ausschließlich in den heißen Dämpfen aus der Tiefe der Erde.
Mao und Miya bestellen Mais, Garnelen, gedünsteten Weißkohl. Das Essen hat null Fett, schmeckt köstlich und gut gesalzen. Es kommt ohne einen Tropfen Öl aus, ohne ein Gewürz. Eine Delikatesse ganz nach Beppus Geschmack. Schlicht und gesund.
Der allgegenwärtige Dampf hat den Ort geprägt. An vielen Plätzen stehen öffentliche Fußbäder, sitzen Besucher neben Einwohnern und tunken ihre Beine in heißes Wasser. Links und rechts blubbert es. Morgens, mittags, abends, nachts. Nimmermüde speit die Erde ihren Wrasen aus der Tiefe, als wäre unter dem Fundament der Stadt eine Waschküche.
Mao und Miya bestellen Mais, Garnelen, gedünsteten Weißkohl. Das Essen hat null Fett, schmeckt köstlich und gut gesalzen. Es kommt ohne einen Tropfen Öl aus, ohne ein Gewürz. Eine Delikatesse ganz nach Beppus Geschmack. Schlicht und gesund.
Der allgegenwärtige Dampf hat den Ort geprägt. An vielen Plätzen stehen öffentliche Fußbäder, sitzen Besucher neben Einwohnern und tunken ihre Beine in heißes Wasser. Links und rechts blubbert es. Morgens, mittags, abends, nachts. Nimmermüde speit die Erde ihren Wrasen aus der Tiefe, als wäre unter dem Fundament der Stadt eine Waschküche.


Und, auch das noch: Sieben Höllen gibt es in der Stadt, die sogenannten Jigokus von Beppu. An diesen Stellen schießt das Wasser ungebremst ans Tageslicht, besonders schön und heiß. Imposant sind schon die Namen dieser Naturschauplätze. Sie heißen „Bluthölle“ oder „Weiße Teichhölle“.
Oberhalb der Stadt schimmert ein kobaltblauer Teich, in dem das Wasser mit 98 Grad aus dem Boden quillt. Die Japaner kochen Eier darin. Andere Gewässer sind weiß wie Milch, rot wie Lehm. In einer der „Höllen“ leben Krokodile, denen das heiße Wasser nichts ausmacht. Dann wieder spritzen Geysire aus dem Erdreich, darunter Tatsumaki Jigoku, eine Fontäne, die alle 40 Minuten mit über 100 Grad aus den Spalten der Erde geschleudert wird.
Oberhalb der Stadt schimmert ein kobaltblauer Teich, in dem das Wasser mit 98 Grad aus dem Boden quillt. Die Japaner kochen Eier darin. Andere Gewässer sind weiß wie Milch, rot wie Lehm. In einer der „Höllen“ leben Krokodile, denen das heiße Wasser nichts ausmacht. Dann wieder spritzen Geysire aus dem Erdreich, darunter Tatsumaki Jigoku, eine Fontäne, die alle 40 Minuten mit über 100 Grad aus den Spalten der Erde geschleudert wird.

Die Devise von Beppu lautet: Nach dem Dampfbad ist vor dem Dampfbad!

Im Hyotan Onsen arbeitet Shuto Yoji. Als Facility Department Manager weiß er, wie gesund die besonderen Wasserqualitäten der Stadt sind. In dem traditionellen Spa gibt es Wasserfallduschen, Dampfbäder und ein Außenbad, im Hof werden Früchte und gekochte Eier serviert. Shuto Yoji steht im schwarzen Anzug mitten im Geschehen, er prüft die Temperatur der hauseigenen Quelle, bestimmt den pH-Wert des Wassers, überwacht die Kessel und Pumpen, die das Bad versorgen.
Jedes der acht Bäder im Haus sei anders, sagt Yoji. Die Thermen haben verschiedene Temperaturen, unterschiedliche pH-Werte und Salzsättigungen. „Das Wasser ist gut für die Haut, es stärkt den Kreislauf und beruhigt die Nerven. Das liegt am hohen pH-Wert des Beppu-Wassers, zudem ist es besonders salzig.“
Die Stadt ist wie eine Waschanlage für Herz und Hirn. Wie belebend das wirken kann, weiß auch Yasukiyo Yamamoto zu berichten. Der Japaner hat klare blaue Augen, ist schlank und fit – und 100 Jahre alt. Was hat er getan, um so alt zu werden und so gesund zu bleiben? „Ich bin schon immer viel zu Fuß gegangen und erledige noch heute alles zu Fuß“, sagt Yamamoto. „Und ich habe mir nie den Bauch vollgeschlagen, ich esse mich nie richtig satt.“
Jedes der acht Bäder im Haus sei anders, sagt Yoji. Die Thermen haben verschiedene Temperaturen, unterschiedliche pH-Werte und Salzsättigungen. „Das Wasser ist gut für die Haut, es stärkt den Kreislauf und beruhigt die Nerven. Das liegt am hohen pH-Wert des Beppu-Wassers, zudem ist es besonders salzig.“
Die Stadt ist wie eine Waschanlage für Herz und Hirn. Wie belebend das wirken kann, weiß auch Yasukiyo Yamamoto zu berichten. Der Japaner hat klare blaue Augen, ist schlank und fit – und 100 Jahre alt. Was hat er getan, um so alt zu werden und so gesund zu bleiben? „Ich bin schon immer viel zu Fuß gegangen und erledige noch heute alles zu Fuß“, sagt Yamamoto. „Und ich habe mir nie den Bauch vollgeschlagen, ich esse mich nie richtig satt.“
Vor vier Jahren, erzählt Yamamoto, sei er von Hiroshima nach Beppu gezogen, der heißen Quellen wegen. Zweimal am Tag besuche er eine der Thermen und nehme ein ausgiebiges Bad. „Das hält jung“, sagt er. „Es hält dich lebendig.“
Das ist alles? Er schlafe viel, sagt Yamamoto. Mindestens zwölf Stunden am Tag. Er bietet eine Tasse Tee an. Im Hinterhof wachsen Pflanzen, zwei Körbe mit Gemüse dampfen vor sich hin. Und dann sei da noch etwas, sagt er. „Wenn ich auf die Straße gehe, spreche ich mit den Menschen. Ich sage Guten Tag, halte ein Schwätzchen. Wie geht es Ihnen? Was machen die Kinder? Wissen Sie, darum geht es doch am Ende. Den Menschen zugeneigt sein, den Austausch pflegen. Kein Groll, kein Hass.“ Yamamoto sagt das so: „Ich will lächeln, ich versuche, freundlich zu sein.“
Yasukiyo Yamamoto steht auf, er will gleich wieder ins Dampfbad. Der Mann, der 100 Jahre alt ist, schnappt sich sein Handtuch und spaziert die Straße runter. In Beppu ganz normal. Die tägliche Dosis Medizin.
Warmes Wasser aus dem Bauch der Erde.
Das ist alles? Er schlafe viel, sagt Yamamoto. Mindestens zwölf Stunden am Tag. Er bietet eine Tasse Tee an. Im Hinterhof wachsen Pflanzen, zwei Körbe mit Gemüse dampfen vor sich hin. Und dann sei da noch etwas, sagt er. „Wenn ich auf die Straße gehe, spreche ich mit den Menschen. Ich sage Guten Tag, halte ein Schwätzchen. Wie geht es Ihnen? Was machen die Kinder? Wissen Sie, darum geht es doch am Ende. Den Menschen zugeneigt sein, den Austausch pflegen. Kein Groll, kein Hass.“ Yamamoto sagt das so: „Ich will lächeln, ich versuche, freundlich zu sein.“
Yasukiyo Yamamoto steht auf, er will gleich wieder ins Dampfbad. Der Mann, der 100 Jahre alt ist, schnappt sich sein Handtuch und spaziert die Straße runter. In Beppu ganz normal. Die tägliche Dosis Medizin.
Warmes Wasser aus dem Bauch der Erde.








